Anspruch und Schreibgerät

Der Füllfederhalter galt nun als das technisch am höchsten entwickelte und zugleich anspruchvollste Schreibgerät. Viele Unternehmen, vor allem in Europa, den USA und Japan, nahmen seine Serienproduktion auf.

In Deutschland allerdings wurde sein Höhenflug gegen Ende der dreißiger Jahre gebremst, als viele kleinere Unternehmen wieder vom Markt verschwanden und andere dann in den vierziger Jahren gezwungen waren, ihre Produktion umzustellen. Zwar war der Füllfederhalter inzwischen technisch weiter verbessert worden – 1927 erfand der Franzose Perraud die Tintenpatrone, und Patronenfüllfederhalter gingen mitte der dreißiger Jahre in den USA in die Serienproduktion -, aber die Tintenpatrone setzte sich nicht so rasch durch, wie man es hätte erwarten sollen. Schließlich war dem Füllhalter in den vierziger jahren auch ein neuer Konkurrent erwachsen: der Kugelschreiber.

Seinen wirklichen Aufschwung erlebte der Patronenfüllhalter erst in den sechziger Jahren, als immer mehr ABC-Schützen gute Erfahrungen mit diesem leicht und sauber mit Tinte zu versorgenden Schreibgerät machten. Erwachsen geworden, wollten sie nun auf das unvergleichliche Gefühl, mit Feder und Tinte zu schreiben, nicht verzichten. Und so erlebte der Füllfederhalter seine Renaissance als das Schreibgerät, mit dem der individuelle Duktus einer Handschrift am besten zum Ausdruck kommt. Zu dieser Renaissance hat wahrscheinlich auch beigetragen, dass sich Mitte der 60er Jahre das äußere Erscheinungsbild von Füllhaltern von den überkommenen und von vielen als veraltet empfundenen Formen zu lösen begann.


Das Design – Von der Schönheit des Zweckmäßigen

Vom Designndie Rede sein. Wohin man heute auch blickt, Design muss anscheinend überall sein. Und so entstehen dann beispielsweise kantige Designer-Sessel, die ihre Besitzer die ganze Härte des Lebens unerbittlich spüren lassen. Es entstehen Designer-Jeans, die sich von anderen Designer-Jeans nur durch ihr Label unterscheiden. Das ist nicht die Art Design, um die es uns geht und die man treffender als Styling oder Mode bezeichnet.

Wir wollen hier nicht von jenen wieder einmal frisch gestylten Gegenständen sprechen, die kurze Zeit als „Hits der Saison“ glänzen, um danach ihr Dasein im Sperrmüll zu beschließen. Worum geht’s heute beim Design, bei der Formgestaltung von Schreibgeräten im allgemeinen und der von Füllfederhaltern im speziellen?

Formgestaltung und Ehrlichkeit

Es geht uns bei der Formgestaltung, bildlich gesprochen, um Ihre Hand und um Ihr Auge. Es geht um Ihren Wunsch, ein Schreibgerät zu besitzen, das exakt in Ihre Hand hineingeformt zu sein scheint, sowie um den völlig berechtigten Wunsch, sich auch im Alltag mit Dingen zu umgeben, die Ihren ästhetischen Qualitätsansprüchen genügen. Design, das sich an diesen Zielsetzungen orientiert, ist ehrlich, weil es Rücksicht auf ihre Bedürfnisse nimmt, weil es Ihnen nicht durch übermäßigen Goldglanz und Flitter, durch schrille Formen und Farben etwas vorzugaukeln versucht.

Gelingt dies, dann gewinnen viele Menschen den Eindruck: Dieser Füllfederhalter wurde für meine Hand, für meine Schreibhaltung geschaffen. Die gute, in diesem Sinne ehrliche Form steigert somit den Gebrauchswert Ihres Füllhalters. Sie nimmt aber auch die Bedürfnisse unterschiedlicher Benutzergruppen ernst. Deshalb haben beispielsweise Füllfederhalter für ABC-Schützen oder Jugendliche eine deutlich andere Form als solche für Erwachsene. Ist „Handlichkeit“, im ursprünglichen Sinn dieses Wortes verstanden, eines der Ziele beim Design von Füllfederhaltern, so ist ein anderes die Suche nach innovativen Formen, die aus Allerweltsprodukten Schreibegräte-Persönlichkeiten machen, mit denen Sie sich identifizieren können.

Diese Designzielsetzungen hat viel mit Ausgewogenheit und Harmonie der Form zu tun, auch mit sorgfältiger Wahl moderner Werkstoffe und ihrer angemessenen Bearbeitung. High-Tech-Verfahren und handwerkliches Können spielen dabei eine wichtige Rolle und steigern den Wert der Produkte.


Bleibende Werte

Eine derartige Designkonzeption schließt aus, dass modisch kurzlebige Produkte entstehen; sie kann auf formale Kabinettstückchen, auf Rückgriffe in die Mottenkiste vergangener Stilepochen verzichten und Sie trotzdem – oder gerade deshalb – mit einer Fülle kreativrer Einfälle überraschen.

Design dieser Art führt zu Schreibgeräten, die einerseits den Geist der Zeit widerspiegeln, in der sie entstehen, und deren Formen andererseits über die Zeit hinaus Gültigkeit behalten. Dass wir damit auf dem richtigen Weg sind, beweisen uns nicht nur zahlreiche Auszeichnungen für vorbildliches Design, sondern vor allem die stetig wachsende Zahl von Menschen, die sich für solche Schreibgeräte entscheiden. Sie sind wie wir der Überzeugung, dass Füllfederhalter in einer Zeit, in der z.B. Geräte der Datentechnik oder Unterhaltungselektronik ohne aufgesetzte schmückende Attribute auskommen, auch Schreibgeräte darauf verzichten können.

Womit wir noch einmal beim Begriff der Ehrlichkeit im Design wären. Darunter verstehen wir auch: einen Füllfederhalter, der für weniger als einen Fünfzigeuroschein zu haben ist, so sorgfältig und kreativ zu gestalten wie einen, der ein Mehrfaches davon kostet.