Die Feder ein kleines Kunststück

Nachdem wir uns ausführlich den Federspitzenformen von Füllhaltern und ihrer Eignung für die verschiedensten Schreibhaltungen sowie Handschriftstile gewidmet haben, wollen wir der Frage nachgehen, was es mit den verschiedenen Materialien für die Feder auf sich hat.

Auch mit den Fragen, ob man eine große oder kleine, eine Goldfeder oder eine aus Edelstahl wählen soll. Bevor wir diese Fragen beantworten, wollen wir aber schnell noch einen Blick auf drei Details der Feder werfen: das Federkorn, den Federschlitz und das Herzloch an seinem oberen Ende. Das Federkorn, eine winzige Verdickung, die man an der Unterseite der Federspitze erkennt, bildet die Auflage bzw. Kontaktfläche zwischen Feder und Papier. Es gibt der Feder ihr langes Leben. Es sorgt dafür, dass sich die Strichbreite auch über Jahrzehnte intensiven Gebrauchs nicht verändert.

Es besteht deshalb aus einem sehr harten Metall, meist einer Iridiumlegierung, und an seinem perfekten Schliff zeigt sich die Kunst der Federmacher, die im wesentlichen auch heute noch eine Handwerkskunst ist. Der haarfeine, bis zum Herzloch der Feder reichende Schlitz ist zwischen 0,08 und 0,12 mm breit, sorgt mit für den gleichmäßigen Tintenfluss und beeinflusst auch die Elastizität der Feder. Das Herzloch bildet den Abschluss des Schlitzes und bewahrt ihn bei übermäßiger Spreizung davor aufzureißen.
 

Über kurz oder lang


In Abhängigkeit voneinander haben Länge, Größe, Form und Material der Feder Einfluss auf ihre schreibtechnischen Qualitäten. Der Schluss, dass eine kurze Feder einer langen gegenüber grundsätzlich den kürzeren ziehen müsste, ist damit falsch. Zwar hat die Federlänger Einfluss auf die Elastizität, doch wird diese ganz wesentlich durch die Stärke und Verformung des Materials beeinflusst.

Entschließt sich beispielsweise der Designer zu einer kürzeren Feder, so werden ihr die Ingenieure durch raffinierte Materialverformung eine Elastizität und die notwendige Steifigkeit geben, die denen einer längeren Feder vergleichbar ist. Außerdem sollten Sie bedenken: Nicht alles, was kurz scheint, ist es auch. Der Kolbenfüllfederhalter versteckt beispielsweise die Hälfte seiner Feder dezent unter seinem Griffstück aus mattiertem Edelstahl, und er verbirgt sogar das Gold seiner Feder unter einer Rhodiumschicht, einem Edelmetall aus der Platingruppe.

 

Eine gute Anlage fürs Schreiben


Vor der Frage stehend, soll ich nun eine Gold- oder Edelstahlfeder wählen, bedenken Sie bitte eins: Keine Schreibfeder ist aus purem Gold, denn dieses wäre viel zu weich. Deshalb bestehen so genannte Goldfedern immer aus einer Legierung von Gold mit Silber, Kupfer oder anderen Metallen.

Die in Deutschland gebräuchlichsten Goldfedern tragen die Kennzeichnung 14 oder 18 Karat und geben den Goldanteil der Legierung an. 14 Karat entsprechen 585 Goldanteilen und 18 Karat 750 Anteilen. Dass der Goldanteil Einfluss auf den Preis eines Füllfederhalters haben muss, beweist Ihnen ein Blick in den Wirtschaftsteil Ihrer Tageszeitung. Heute kann eine gute Feder aus Edelstahl hinsichtlich Elastizität und „Schreibgefühl“ ohne weiteres mit Goldfedern konkurrieren. Das Märchen, sie könne kratzen, ist wirklich eins. Als Beweis für die Qualitäten von Edelstahlfedern mag gelten, dass wir sie im wesentlichen nach den gleichen strengen Prinzipien herstellen wie Goldfedern.

So werden beispielsweise das Federkorn bei den meisten von ihnen ebenfalls von Hand. Wir täten dies nicht, wären wir nicht überzeugt davon, dass Edelstahl diesen hohen handwerklichen Arbeitsaufwand unserer besten Mitarbeiter rechtfertigt. Gold oder nicht Gold? – Bei der Suche nach einer Antwort auf diese Frage können Sie sich somit ganz Ihren persönlichen Präferenzen überlassen – indem Sie z. B. das Ihnen für einen Füllfederhalterkauf zur Verfügung stehende Budget zur Richtschnur nehmen.